Mittwoch, 12. November 2008

Toten-Sonntag


Toten-Sonntag

Gedicht zum Totensonntag


Ihr, die ihr schlaft schon manches Jahr,
Ihr, die ihr seit kurzem begraben -
Wacht auf! und macht euch der Gäste bereit:
Ihr sollt euern Sonntag heut` haben!

Was wir verloren mit euerm Tod,
Das werden wir nie verschmerzen.
Und dennoch - : heut hält ein heimlicher Strom
Verknüpft die sehnenden Herzen!

Auf Brücken der Liebe eilen wir hin
Zu eurer schweigsamen Stätte;
Da ist`s uns, als hielten wir eure Hand
Und säßen still - traulich am Bette.

Da pflegen wir heimliches Zwiegespräch
Tiefinnig - wie kaum zu sagen
Und blicken uns klar ins Aug` hinein
Und nicken und lächeln und fragen -

Wie dieses und wie jenes kam,
Wir wollen es euch erzählen;
Was uns`re Seele umschlossen hält,
Darf eur`er Seele nicht fehlen -

Und kehren wir dann vom Friedhof heim
Im dämm`rigen Abendstunden,
Dann soll uns allen ums Herze sein,
Als hätten wir jene gefunden,

Die wir für immer verloren geglaubt,
Die wir so lange entbehrten,
Die, ob sie auch der Tod geraubt,
Auf ein Stündelein ... wiederkehrten.

von Otto Promber (1874-1941)


Das Grab der Liebe


Das Grab der Liebe

Es steht ein Fels von der Wog' umrauscht,
In Provincia's purpurnen Fluthen,
Da hab' ich einst Seel' um Seele getauscht
In liebezerschmelzenden Gluthen!
Es schwebten im ewigen Reihentanz
Die Sternlein auf mondlicher Wogen Glanz,
O heilige Stunde der Liebe!

Die Nachtigall sang im Myrtenhain
Aus den abendrothglühenden Schatten;
Es rief daß girrende Täubelein
Zur Liebe, zur Liebe den Gatten!
Und fernher ertönte von Thal und Höh'n
Ein flötendes schmachtendes Sehnsuchtsgetön
Aus liebedurchathmeten Schatten!

Ein Kirchlein steht auf des Felsens Haupt,
Der so prachtvoll die Fluthen umschauet;
Die Stirn vom flüsternden Ölbaum umlaubt,
Den Fuß von Wogen umgrauet!
O Trauter komm, steig' auf des Felsens Höh'!
Dort schau'n wir in die unendliche See,
Unendlich gleich unserer Liebe!

Sie leitet ihn schnell den Fels hinan,
(O wie klopfet's im liebenden Herzen!)
Er folgt auf der dornenumrankten Bahn,
Den Busen voll seliger Schmerzen!
Es blickte der Mond aus dem Wolkenkranz
Durchstrahlte der Bebenden Seelen ganz
Mit flammenden Pfeilen der Liebe.

Geschmiegt an's Herz das klopfende Herz,
Und die Wang' an die Wange gelehnet,
Zerflossen beid' im unendlichen Schmerz,
Die schmachtenden Augen bethränet!
»In der Tiefe wohnt die selige Ruh'!«
So sang's, so tönt' es den Liebenden zu
Aus den silberglänzenden Wogen!

O Mutter der Lieb', in deinen Arm
Nimm huldreich die liebenden Seelen!
So schwindet der bittere finst're Harm,
Worin sie sich ängstlich zerquälen.
Sie sinken vereint vor dem Felsaltar,
Ein reines geweihetes Opferpaar,
Empfange sie Mutter der Gnaden!

»Und nun zurück in die öde Welt,
In die trübenden Fluthen des Lebens,
An starre Klippen das Herz zerschellt,
Und Lieb' und Treue vergebens!
O wogende Fluth und o sternige Höh',
O tiefer Schooß der unendlichen See,
Ihr endet die Qualen der Liebe!«

Und zögernd wanken sie Arm in Arm
Zu des Felsens tiefstürzendem Hange:
»Maria, der Liebenden dich erbarm',
Sie liebten und litten zu lange!«
Und fest sich umschlingend und heiß umarmt,
Und Herz an klopfendem Herzen erwarmt,
So verschlangen sie schäumende Wogen!

von Friederike Brun, (1765-1835)

Glück


Glück

Ihre Liebe gehörte mir, ich werde sie niemals vergessen.
Schön war die Zeit mit ihr, ich habe sie dankend besessen.
Wir haben gespielt, gesungen, gelacht,
die häusliche Arbeit zusammen gemacht,
Freuden und Sorgen - alles geteilt,
gerne hatte ich bei ihr verweilt.
In meinen Gedanken erleb’ ich es wieder,
sie machen mich fröhlich und traurig zugleich.
Dann singt sie die alten besinnlichen Lieder
Und lächelt dabei, die Stimme klingt weich.
Sie verweilt nun stets in mir, ich kann immer glücklich sein,
ich besitze ihre Liebe, die gehört mir ganz allein.


Autorin: Gabriele Noichl, Kelkheim

Abendempfindung


Abendempfindung

Gedicht zum Totensonntag

Abend ist's, die Sonne ist verschwunden,
Und der Mond strahlt Silberglanz;
So entfliehn des Lebens schönste Stunden,
Fliehn vorüber wie im Tanz.

Bald entflieht des Lebens bunte Szene,
Und der Vorhang rollt herab;
Aus ist unser Spiel, des Freundes Träne
Fließet schon auf unser Grab.

Bald vielleicht (mir weht, wie Westwind leise,
Eine stille Ahnung zu),
Schließ ich dieses Lebens Pilgerreise,
Fliege in das Land der Ruh.

Werdet ihr dann an meinem Grabe weinen,
Trauernd meine Asche sehn,
Dann, o Freunde, will ich euch erscheinen
Und will himmelauf euch wehn.

Schenk auch du ein Tränchen mir
Und pflückte mir ein Veilchen auf mein Grab,
Und mit deinem seelenvollen Blicke
Sieh dann sanft auf mich herab.

Weih mir eine Träne, und ach! schäm
dich nur nicht, sie mir zu weihn;
Oh, sie wird in meinem Diademe
Dann die schönste Perle sein!

von Joachim Heinrich Campe (1746-1818)


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Verbote am Totensonntag in Deutschland

Verbote am Totensonntag in Deutschland
(Stand 30.11.2004)

Grundsatz
An diesen Tage sind (von Mitternacht zu Mitternacht) alle öffentlich bemerkbaren Arbeiten verboten, die geeignet sind, die äußere Ruhe des Tages zu stören, sofern sie nicht besonders erlaubt sind. Bei erlaubten Arbeiten sind unnötige Störungen und Geräusche zu vermeiden. Verboten sind auch Treib-, Lapp- und Hetzjagden.

Jedes Bundesland kann das Gesetz über den Schutz der Sonn- und Feiertage Feiertagsgesetz - FTG natürlich erweitern.

Bitte beachten sie bitte deshalb auf das Feiertagsgesetz in Ihrem Bundesland.
Die nachfolgende Auflistung soll nur ein Beispiel darstellen, wie einzelne Verbote in Ihrem Bundesland aussehen könnten.

Verboten sind:

  • öffentliche Versammlungen unter freiem Himmel und öffentliche Auf- und Umzüge, die nicht mit dem Gottesdienst zusammenhängen,
  • alle der Unterhaltung dienenden öffentlichen Veranstaltungen, bei denen nicht ein höheres Interesse der Kunst, Wissenschaft oder Volksbildung vorliegt,
  • öffentliche Versammlungen in geschlossenen Räumen, soweit hierdurch der Gottesdienst unmittelbar gestört wird,
  • größere sportliche Veranstaltungen und solche, durch die der Gottesdienst unmittelbar gestört wird.
  • Märkte, gewerbliche Ausstellungen und ähnliche Veranstaltungen von 05.00 bis 13.00 Uhr
  • sportliche und ähnliche Veranstaltungen einschließlich Pferderennen und -leistungs-schauen sowie Zirkusveranstaltungen, Volksfeste und der Betrieb von Freizeitanlagen, soweit dort tänzerische oder artistische Darbietungen angeboten werden, von 05.00 bis 13.00 Uhr,
  • der Betrieb von Spielhallen und ähnlichen Unternehmen sowie die gewerbliche Annahme von Wetten von 05.00 bis 13.00 Uhr
  • musikalische und sonstige unterhaltende Darbietungen jeder Art in Gaststätten und in Nebenräumen mit Schankbetrieb von 05.00 bis 18.00 Uhr,
  • alle anderen der Unterhaltung dienenden öffentlichen Veranstaltungen einschließlich Tanz von 05.00 bis 18.00 Uhr.
  • alle nicht öffentlichen unterhaltenden Veranstaltungen außerhalb von Wohnungen bis zum nächsten Tag 06.00 Uhr,
  • die Vorführung von Filmen, die nicht vom Kultusminister oder der von ihm bestimmten Stelle als zur Aufführung am Karfreitag geeignet anerkannt sind, bis zum nächsten Tag 06.00 Uhr,
  • Veranstaltungen, Theater- und musikalische Aufführungen, Filmvorführungen und Vorträge jeglicher Art, auch ernsten Charakters, während der Hauptzeit des Gottesdienstes.

Die Seele der Ertrunkenen

Die Seelen der Ertrunkenen

Eine Sage

So oft sich der Wassermann zeigt, sagt man im nordöstlichen Böhmen, so ertrinkt jemand, und am schwarzen Sonntag, dem Totensonntag, geschieht das gewiß. Der Wassermann sperrt die Seelen der Ertrunkenen unter Käsenäpfe (kleine, runde Näpfchen in der Größe und Gestalt einer Tabaksdose). Ihre Zahl ist so groß, daß der Wassermann hofft, auf den jüngsten Tag so viele Seelen zu haben wie der liebe Gott.

Ein Mädchen, so erzählt man um Trautenau, war beim Wassermann im Dienst. Es hatte alle häusliche Arbeit zu tun, die es da in dem großen prächtigen Hause gab. Eines Tages war der Wassermann nicht zu Hause, nur sein Weibel saß in der Stube. Das Mädchen ging wie gewöhnlich seiner Arbeit nach, räumte in der Stube zusammen, kehrte die Dielen, wischte Staub und kam dabei auch an den großen Kachelofen, um den rings auf dem Kranze eine Menge Käsenäpfe standen. Schon lange war sie neugierig, was wohl darunter sein möchte, allein der Wassermann hatte ihr streng verboten, sie anzurühren oder gar zu öffnen. Heute aber war er nicht zu Hause, und da lüftete sie den Deckel von einem Käsenapf - und sieh, da floh eine kleine weiße Taube heraus und davon. Darüber erschrak die Magd nicht wenig und ebenso sehr auch das Wasserweibel, das den letzten Teil der Arbeit mit angesehen hatte. Ihm bangte für das Leben der Magd, denn sie mochte das Mädchen gerne. Darum sagte sie zu ihm: »Wenn der Wassermann nach Hause kommt und sieht, was du getan hast, wird er wütend und bringt dich vielleicht um. Ich kann dir nur eines raten, stelle dich hinter den Holunderbusch draußen im Garten und bleibe dort stehen, mag dir der Wassermann auch sagen und versprechen was er will. Dort bist du sicher vor ihm. Wenn sich sein Zorn gelegt hat, wird er dich wieder rufen und zu dir sprechen: »Komm, ich tu dir nichts!« Sobald er das gesagt hat, kannst du aus dem Strauch heraustreten.«

Und wie das Wasserweiblein vorausgesagt hatte, so geschah es auch. Der Wassermann tobte, aber er konnte dem Mädchen nichts anhaben. Und als er sich beruhigt hatte und gesprochen: »Komm her, ich tu dir nichts«, da verließ das Mädchen den Strauch, und der Wassermann sagte: »Nun kannst du nicht mehr bei mir bleiben, aber du magst noch einmal auskehren, und das Kehricht soll dann dein Lohn sein.« Und das Mädchen packte seine Sachen, kehrte die Stube noch einmal, nahm das Kehricht in die Schürze und verließ den Wassermann. Es hatte es aber so eilig, daß es, kaum als es an die Oberfläche gelangt war, einen Teil von dem, was es in der Schürze hatte, verschüttete, ohne es zu merken. Zu Hause, als es die Schürze auftat, zeigte es sich, daß es lauter Gold gewesen war. Nun tat es ihr wohl leid, so wenig behalten zu haben, aber das wenige hatte das Gute, daß es nicht abnahm.

Totensonntag

Totensonntag
Ewigkeitssonntag - Christkönigsfest - Gedenktag der Entschlafenen

König Friedrich Wilhelm III. von Preußen ordnete 1816 an, den letzten Sonntag des Kirchenjahres als allgemeinen Feiertag zur Erinnerung an die Verstorbenen zu begehen. Dieser Feiertag wurde schnell von anderen evangelischen Landeskirchen übernommen, der Totensonntag ist also in gewisser Weise das evangelische Gegenstück zur Feier von Allerseelen.

Im Laufe der Geschichte hat der letzte Sonntag des Kirchenjahres unterschiedliche Namen getragen:

  • Totensonntag - Erinnerung an die erkennbare äußerste Grenze des menschlichen Lebens.
  • Ewigkeitssonntag – Trost, wenn die Angst vor dem Sterben über uns kommt.
  • Sonntag vom jüngsten Gericht – Erinnerung an das letzte Wort Gottes, das er über unser Tun und Lassen sprechen wird.
  • Christkönigsfest – Erinnerung an die Macht und die Herrlichkeit Jesu Christi.
  • Letzter Sonntag des Kirchenjahres – Mahnung, dass einmal wird der letzte Tag unseres Lebens kommen wird und der vor uns liegende Lebensweg täglich kürzer wird.

Am Totensonntag ist es üblich, die Friedhöfe zu besuchen und die Gräber zu schmücken. Dabei wird auch auf die Auferstehung der Toten hingewiesen. In den Gottesdiensten wird um um das Kommen Christi und des Reiches Gottes gebetet.